Planung des Mehrgenerationenquartiers der Diakonie Osnabrück nimmt Fahrt auf
Nach derzeitigem Planungsstand können im neuen ambulanten Quartiershaus an der Sedanstraße ca. 105 Menschen mit Pflegebedarf versorgt werden. Dabei spielen eine Tagespflege sowie ein ambulanter Pflegedienst am Standort eine wichtige Rolle. Ein bis zu fünfgeschossiges Gebäude soll das bisherige Küpper-Menke-Stift ersetzen. Dieses ist derzeit acht Stockwerke hoch und beherbergt noch bis zum Sommer eine stationäre Pflegeeinrichtung.
„Mit dem ambulanten Quartiershaus kommen wir vielfach geäußerten Bedürfnissen von Menschen mit Pflegebedarf entgegen. Wir denken Pflege an diesem Standort neu, mit aufeinander abgestimmten Angeboten, teilweise unterstützt von modernen und digitalen Systemen. Die Versorgungsform in sogenannten ambulant betreuten Pflege-Wohngemeinschaften kombiniert ein Höchstmaß an pflegerischer Unterstützung mit individuellem und selbstbestimmtem Wohnen und Leben“, erläutert Jens Wulfekammer, Geschäftsführer für die Altenhilfe der Diakonie Osnabrück. Der ambulante Pflegedienst der Diakonie wird ebenfalls im ambulanten Quartiershaus angesiedelt sein. Außerdem werden eine Tagespflege sowie Angebote des Betreuten Wohnens die Versorgungskette komplettieren.
Die ambulantisierte Versorgung ermögliche es Menschen mit Pflegebedarf ferner, rechtzeitig aus ihren eigenen und oftmals viel zu groß gewordenen Häusern auszuziehen. „Damit kann Wohnraum für junge Familien frei werden, was ein strategisches Ziel der Stadt ist“, erläutert Friedemann Pannen, theologischer Geschäftsführer der Diakonie.
In dem Mehrgenerationenquartier werden weitere Apartments bzw. kleine Wohnungen entstehen, in denen Menschen mit oder ohne Pflegebedarf einziehen können. Insgesamt geht die Diakonie Osnabrück derzeit von weiteren ca. 35 Menschen aus, die im Mehrgenerationenquartier ihr neues Zuhause finden werden. Darunter sollen auch Auszubildende oder Studierende sein. „Wünschenswert wäre beispielsweise, wenn Studierende der sozialen Arbeit hier einziehen würden und auf diese Weise ein möglicherweise späteres Tätigkeitsfeld vor Ort erleben“, sagt Stephan Wilinski, kaufmännischer Geschäftsführer der Diakonie.
In einer öffentlichen Informationsveranstaltung gab die Diakonie Osnabrück außerdem bekannt, dass in Zukunft ca. 48 Kinder und Jugendliche in den neu entstehenden Gebäuden leben werden. Die bereits vorhandene stationäre Jugendhilfe, das Haus am Schlehenbusch, soll um eine Gruppe erweitert werden. Weiterhin werden im benachbarten Gerhard-Uhlhorn-Haus ca. 40 Kinder in Tagesgruppen nach der Schule sozialpädagogisch begleitet.
Beabsichtigt ist auch, die Verwaltung der Diakonie Osnabrück an einem Standort zusammenzuführen. „Derzeit arbeiten die ca. 70 Kolleg*innen an fünf verschiedenen Standorten. In Zukunft sollen alle in den oberen beiden Etagen des ambulanten Quartiershauses ihre neuen und modernen Arbeitsplätze finden“, sagt Wilinski.
Nach einem städtebaulichen Werkstattverfahren im August 2024 hat die Diakonie Osnabrück mit dem Planungsbüro farwickgrote partner aus Ahaus deren Siegerentwurf weiterentwickelt. Zentral bleibt die Anforderung, das Quartier für Menschen des Stadtteils zu öffnen und attraktiv zu gestalten. Dazu soll es in dem Quartier keinen Individualverkehr mehr geben. Der ruhende Verkehr wird wesentlich in einer Mobilitätsstation unter dem ambulanten Quartiershaus gebündelt.
„Wir wollen den bisherigen Charakter des Areals, der doch stark abgeschlossen wirkt, verändern“, sagt Pannen. „Dies ist auch ein Beitrag zur Inklusion. Menschen mit Unterstützungsbedarf sollen mitten in dem Stadtteil leben.“ Zugleich wurden aber auch Zonen geplant, die nicht öffentlich sind, um den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen sowie der Menschen mit Pflegebedarf nach Rückzug und Ruhe zu entsprechen.
Zentral soll ein Platz der Generationen entstehen. „Eine echte Quartiersmitte mit hoher Aufenthaltsqualität. Da soll ein Bistro Platz finden, das auch für Nachbar*innen des Stadtteils gedacht ist“, beschreibt Pannen das Herzstück des neuen Quartiers. Im ambulanten Quartiershaus ist ein großzügiger Mehrzweckraum geplant, der zu Begegnung und kulturellen sowie kirchlichen Veranstaltungen einlädt.
In Kürze beabsichtigt die Diakonie Osnabrück, mit einer Bauvoranfrage die Zulässigkeit des Vorhabens aufgrund des bestehenden Baurechts prüfen zu lassen. Sobald dies geschehen ist, können die Bauanträge vorbereitet werden. „Alle Planungen werden stets mit der Stadt Osnabrück abgestimmt. Wenn alles gut läuft, können wir nächstes Jahr mit Bauen beginnen“, teilt Wilinski mit. Schon in den nächsten Wochen werden Bungalows abgerissen, die mittlerweile alle leer stehen. „Fast alle 32 Bewohner*innen haben in anderen Einrichtungen oder Wohnungen der Diakonie Osnabrück ihr neues Zuhause gefunden“, erläutert Pannen. Mit allen ehemaligen Bewohner*innen konnten somit gemeinsam gute Lösungen gefunden werden.
Die noch im Küpper-Menke-Stift lebenden Bewohner*innen werden im Sommer in das Bischof-Lilje-Altenzentrum der Diakonie an der Rehmstraße umziehen können. Dort ist Platz in einer bisher fremd vermieteten Fläche. „Wir lassen selbstverständlich niemanden unversorgt“, betont Wulfekammer.
Die Diakonie Osnabrück brachte bei der Informationsveranstaltung zum Ausdruck, dass ihr bewusst sei, dass die Bauphase mit Lärm und Schmutz eine besondere Belastung für die Nachbarschaft darstellen wird. Deshalb setze sie auf Transparenz und Beteiligung.
Außerdem würden Eigentümer*innen einiger weniger angrenzenden Grundstücke gegenüber der jetzigen Situation Einschränkungen hinnehmen müssen. Andere wiederum profitieren von den neuen Planungen, weil das achtstöckige Hochhaus zurückgebaut wird. „Uns liegt viel daran, die Interessen der Nachbarschaft soweit wie möglich zu berücksichtigen“, betont Pannen. So sei beispielsweise auf eine oberirdische Mobilitätsstation an der Straße Zum Schlehenbusch verzichtet worden, die ursprünglich geplant war. „Damit tragen wir wesentlich dazu bei, dass diese Straße nicht durch zusätzlichen Verkehr belastet wird“, sagt der Geschäftsführer der Diakonie.
Über die weitere Entwicklung informiert die Diakonie Osnabrück regelmäßig auf ihrer Website
www.mehrgenerationenquartier-os.de.
