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Partizipation in Unterkünften für geflüchtete Menschen – Erfolgsfaktor für effektiven Gewaltschutz?

Fachtag von DeBUG 2.0 Nord-West in Kooperation mit DeBUG 2.0 Süd

Sanna Jungclaus & Ulrike Ottl (DeBUG 2.0 Nord-West)

Partizipative Strukturen in Unterkünften für geflüchtete Menschen stellen einen zentralen Ansatz zur Förderung des sozialen Zusammenhalts und zur Prävention von Gewalt dar. Durch die aktive und systematische Einbindung der Bewohner*innen in Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse können Konfliktpotenziale frühzeitig erkannt und abgebaut, Machtasymmetrien reduziert und der Schutz von Bewohner*innen gestärkt werden.

Seit 2022 arbeiten die DeBUG-Standorte1 DeBUG 2.0. Nord-West (Diakonisches Werk in Stadt und Landkreis Osnabrück gGmbH) und DeBUG 2.0. Süd (Caritasverband Karlsruhe e.V.) kooperativ und trägerübergreifend zum Thema „Partizipation in Unterkünften für geflüchtete Menschen“.

Die Zusammenarbeit begann mit dem Pilotprojekt „Partizipation in Unterkünften für geflüchtete Menschen am Beispiel von Bewohner*innenräten“ (2022), in welchem Bewohner*innenräte implementiert und begleitet wurden. Aus den Ergebnissen des Projektes resultierte der „Praxisleitfaden zur Implementierung und Durchführung von Bewohner*innenräten in Unterkünften für geflüchtete Menschen“. Fortgesetzt wurde die gemeinsame Arbeit zwischen 2023 und 2025 in Form von Veranstaltungsreihen und Fachtagungen mit dem Ziel der Sensibilisierung von kommunalen Behörden und Trägern von Unterkünften für die Möglichkeiten, Partizipation in Unterkünften umzusetzen.

Nachdem der erste Fachtag im November 2024 in Osnabrück in der Lagerhalle stattgefunden hat, wurde die zweite gemeinsame Fachtagung, die sich mit dem Thema „Partizipation in Unterkünften für geflüchtete Menschen – ein Erfolgsfaktor für effektiven Gewaltschutz?“ beschäftigte, am 03.11.2025 in Stuttgart durchgeführt. Der Fachtag stieß auf großes Interesse und war mit 100 Teilnehmenden ausgebucht.

Neben Einblicken in das Thema Partizipation und Teilhabe für Erwachsene rückten besonders die Perspektiven von Kindern, Frauen und queeren Geflüchteten in den Fokus.

Die Keynote beschäftigte sich mit dem Thema „Wissenschaftliche Perspektiven zu Partizipation in Unterkünften für geflüchtete Menschen“. Die Bedeutung von Partizipation als Grundlage einer lernenden Organisation wurde in den Fokus gerückt.

Für die Weiterentwicklung von Unterkünften ist es wichtig, die Bewohner*innen als Wissens- und Handlungsträger*innen zu sehen. Auch im Gewaltschutz sollte ein stetiger Verbesserungsprozess stattfinden, dieser sollte nicht als feststehendes Konstrukt in den Unterkünften verstanden werden.

Im Sinne von Partizipation durften Betroffenenperspektiven beim Fachtag nicht fehlen – so wurden beispielsweise Filme von jungen Frauen mit Flucht und Migrationserfahrung gezeigt und persönliche Erfahrungen und Erlebnisse aus einer Unterkunft für queere Geflüchtete geteilt. Die Beiträge ermöglichten den Teilnehmenden einen wertvollen Perspektivwechsel.

Ein zentrales Ergebnis der Veranstaltung ist, dass Partizipation nicht still und unauffällig geschieht; sie lebt von Diskussionen und dem konstruktiven Auseinandersetzen. Diskussionen sind ein guter Indikator für das Funktionieren von Partizipation.

Aufbauend auf solchen Erkenntnissen der Vorjahre sowie dem vorhandenen fachlichen Erfahrungs- und Wissensstand planen die DeBUG-Kontaktstellen Nord-West und Süd für das Jahr 2026 eine gemeinsame Online-Veranstaltungsreihe.

Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, partizipative Ansätze stärker in der Praxis zu verankern, den fachlichen, bundesländerübergreifenden Austausch zu intensivieren und praxisorientierte Impulse für die tägliche Arbeit in Unterkünften zu geben. Dabei sollen sowohl strukturelle Rahmenbedingungen als auch konkrete Umsetzungsstrategien und Praxisprojekte beleuchtet werden. Alle Interessierten sind herzlich zur Teilnahme eingeladen.

Das Projekt DeBUG 2.0 wird seit 2025 durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) im Rahmen der Bundesinitiative zum Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften gefördert.

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1 Seit 2016 wurden im Rahmen der Bundesinitiative „Schutz von geflüchteten Menschen in Flüchtlingsunterkünften“ Schutzmaßnahmen für geflüchtete Menschen weiterentwickelt. Zwischen 2019 und 2024 unterstützte das Projekt DeBUG die Implementierung und Durchführung von Gewaltschutzmaßnahmen. Dabei stehen die Multiplikator:innen bundesweit als Ansprechpersonen für Schutzkonzepte, Schulungen und Netzwerkbildung zur Verfügung.
Mit DeBUG 2.0 erfolgte ab 2025 eine Weiterentwicklung des Projekts, um bestehende Strukturen nachhaltig zu verankern, neue Akteur:innen einzubinden und Synergien zu schaffen.

 

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