Abschied nach mehr als 40 Jahren: Diakonie Osnabrück verabschiedet langjährige Geschäftsbereichsleitung Burkhard Teschner in den Ruhestand
Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, ehemalige Mitarbeitende, Netzwerkpartner*innen sowie langjährige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter waren gekommen, um gemeinsam auf ein außergewöhnliches Berufsleben zurückzublicken und einem Menschen Danke zu sagen, der die soziale Arbeit in der Region nachhaltig geprägt hat. Den Gottesdienst gestalteten zwei der Diakonie Geschäftsführungen: Christiane Mollenhauer, Geschäftsführung Beratung Behandlung und Betreuung, und der theologische Geschäftsführer der Diakonie Osnabrück Friedemann Pannen. Die musikalische Begleitung übernahm Pete Budden am Piano. Nach der Entpflichtung und dem anschließenden Segen richteten Geschäftsführerin Christiane Mollenhauer, die Niedersächsische Justizministerin Dr. Kathrin Wahlmann per Videobotschaft, die Stadträtin der Stadt Osnabrück Heike Pape sowie Hermann-Josef Schmeinck der Straffälligenhilfe in der LAG der freien Wohlfahrtspflege Niedersachsen, Grußworte an den ehemaligen Geschäftsbereichsleiter.
„Heute sind viele Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter aus den vergangenen 43 Jahren gekommen. Sie alle wollen es sich nicht nehmen lassen, Dir Danke zu sagen“, betonte Geschäftsführerin Mollenhauer in ihrer Ansprache. Mit Blick auf den Ruhestand griff sie die Worte „Du bist nun frei“ auf und stellte fest, dass die Bedeutung dieser Worte für einen Sozialarbeiter der Straffälligenhilfe in einem ganz eigenen Licht stehe.
Auch die Niedersächsische Justizministerin würdigte Burkhard Teschner in einer persönlichen Videobotschaft. Sie bezeichnete ihn als „wahre Institution“ der freien Straffälligenhilfe und dankte ihm für seinen unermüdlichen Einsatz. Besonders hob sie seine Beharrlichkeit hervor, mit der er sich über viele Jahre für eine dauerhafte Finanzierung der freien Straffälligenhilfe eingesetzt habe. „Sie haben nicht lockergelassen. Durch Ihre Beharrlichkeit und die Ihrer Kolleginnen und Kollegen haben wir dieses große Ziel nun endlich gemeinsam erreicht. Ich würde Ihnen jetzt gerne dafür auf die Schulter klopfen – das muss ich dann bei anderer Gelegenheit mal nachholen.“
Darüber hinaus erinnerte sie an zahlreiche Projekte, die Teschner mit auf den Weg gebracht oder entscheidend geprägt habe – darunter das Fachzentrum FAUST, das Programm „Geldverwaltung statt Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafe“, ein Hospitationsprojekt zwischen Justizvollzug und Straffälligenhilfe sowie seine langjährige Tätigkeit als Anstaltsbeirat der JVA Lingen.
Burkhard Teschner begann 1983 sein Berufsanerkennungsjahr als Diplom-Sozialarbeiter in der damals noch jungen Anlaufstelle für Straffällige der Diakonie Osnabrück und übernahm später deren Leitung. Seit 2011 verantwortete er als Geschäftsbereichsleiter neben der Straffälligenhilfe in Stadt und Landkreis Osnabrück auch die Bahnhofsmission Osnabrück sowie die Wohnungslosenhilfe im südlichen Landkreis.
Während seiner mehr als 40-jährigen Tätigkeit entwickelte er gemeinsam mit seinen Teams zahlreiche Angebote weiter oder initiierte neue Projekte. Mit der Gründung des Fachzentrums FAUST entstand ein wichtiger Baustein für Gewaltprävention und Demokratieförderung. Unter seiner Leitung wurden unter anderem Anti-Gewalt-Trainings, Täterprogramme bei häuslicher Gewalt, Deeskalationstrainings sowie Präventionsangebote und Seminare u.a. gegen sexualisierte Gewalt, Mobbing und Gewalt in der Pflege aufgebaut. Die interaktive Ausstellung „Rosenstraße 76“ sensibilisiert seit zehn Jahren Schülerinnen und Schüler für das Thema häusliche Gewalt und ist heute ein fester Bestandteil der Präventionsarbeit in der Region. Zuletzt wurde mit dem Projekt „RESPEKT – Hass und Gewalt gegen Mandatsträger und Rettungsdienste“ ein weiterer Schwerpunkt in der Gewaltprävention gesetzt.
Auch die ökumenische Bahnhofsmission Osnabrück sowie die Wohnungslosenhilfe im südlichen Landkreis wurden unter seiner Leitung weiterentwickelt und gemeinsam mit zahlreichen Ehrenamtlichen und Kooperationspartnern nachhaltig gestärkt. Ebenso engagierte sich Teschner im Fanprojekt des VfL Osnabrück, das junge Menschen für ein respektvolles und demokratisches Miteinander sensibilisiert.
In vielen Redebeiträgen wurde deutlich, was Teschner für Kolleginnen und Kollegen, Kooperationspartner und die Straffälligenhilfe insgesamt ausmacht: seine fachliche Kompetenz, seine Kreativität, seine Beharrlichkeit und sein unerschütterlicher Glaube daran, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient. Mit großem Engagement setzte er sich stets dafür ein, Resozialisierung zu ermöglichen, Gewalt vorzubeugen und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.
Ein besonderer Moment der Verabschiedung war die humorvolle Erinnerung von Hermann-Josef Schmeinck und auch der Justizministerin an das Duo „Waldorf und Statler“. Gemeinsam mit Schmeinck (Straffälligenhilfe in der LAG der freien Wohlfahrtspflege Niedersachsen) wurden die beiden in Fachkreisen liebevoll mit den beiden bekannten Figuren aus der Muppet Show verglichen – nicht, weil sie etwa kritisierten und motzig waren, sondern weil sie sich unermüdlich für die Belange der Straffälligenhilfe einsetzten, Missstände offen ansprachen und sich nie mit einfachen Antworten zufriedengaben.
Mit dem Eintritt in den Ruhestand endet für Teschner ein Berufsleben, das die Straffälligenhilfe und Gefährdetenhilfe in der Region Osnabrück nachhaltig geprägt hat.
Die Diakonie Osnabrück Stadt und Land dankt ihm für mehr als vier Jahrzehnte engagierter Arbeit und wünscht ihm für den neuen Lebensabschnitt Gesundheit, Zeit für persönliche Interessen und viele bereichernde Begegnungen.
