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Konferenz der Diakonie diskutiert Social Impact Bonds - Soziale Arbeit ohne Wirkungsorientierung?

Sind soziale Leistungen messbar? Passen Rendite und diakonische Nächstenliebe zusammen? Diesen und ähnlichen Fragen stellten sich die Mitglieder der Konferenz der Diakonie. Ihr Thema lautete Social Impact Bonds, SIB ist ein Finanzierungsinstrument für soziale Dienstleistungen.

Den Ausschlag für die Diskussion der Vertreter aus rund 40 diakonischen Einrichtungen in Stadt und Landkreis Osnabrück hatte die Beratung im Jugendhilfeausschuss des Landkreises Osnabrück gegeben. Die Mitglieder der Konferenz der Diakonie zeigten sich skeptisch und wollten mehr über SIB wissen. Friedemann Pannen, Geschäftsführer der DIOS, gab Auskunft. Social Impact Bonds oder „sozialer Wirkungskredit“ will mehrere Akteure im Sozialbereich zusammenbringen, profitieren sollen sowohl Geldgeber als auch soziale Dienstleister. Soziale Projekte – die Landkreis-Diskussion bezog sich auf die Jugendhilfe - werden durch private Geldgeber vorfinanziert, nach einer Frist überprüft ein unabhängiger Intermediär den erreichten Erfolg. Bei positivem Verlauf, also bei einem finanziellen Gewinn, erhält der Geldgeber sein Kapital plus Bonus zurück. Der Kredit setzt demnach auf einen gewinnbringenden Verlauf eines sozialen Projektes, sprich: auf Rendite für den Geldgeber. Ob tatsächlich die diakonischen Einrichtungen, insbesondere die Menschen, die Unterstützung brauchen, vom Wirkungskredit profitieren, bezweifeln die Diakonie-Vertreter. 

Selbstverständlich müssen diakonische Einrichtungen erfolgreich arbeiten und Gewinne erwirtschaften, so die Konferenz. Ohne dem wären künftige Leistungen für hilfesuchende Menschen, Pflege und Betreuung durch qualifizierte Mitarbeiter nicht möglich. Die messbare Wirkung sozialer Leistungen sehen die Diakonie- Vertreter allerdings kritisch. Berechenbare Sozialpolitik und Wirkungsorientierung stellen den Charakter sozialer Arbeit infrage, so die Meinung. 

Gutes Tun und Rendite im Auge haben, ist für die Konferenz schwer vorstellbar. „In der Mitte unserer Arbeit steht der Mensch, der Hilfe braucht, nicht der Investor“, so Friedemann Pannen. „Umwege machen unsere Arbeit aus, nicht jede Leistung führt sofort zum Erfolg, es geht eben um den Menschen“, ergänzte Gerhard Töller, stellvertretender Vorsitzender der Konferenz der Diakonie. 

Statt Wirkungsorientierung in Social Impact Bonds favorisiert die Diakonie Innovationsfähigkeit, Transparenz und Vertrauen. „Es ist unsere Pflicht für offen transparente Arbeitsprozesse einzutreten. Statt auf private Geldgeber sollten wir auf gemeinnützige Stiftungen setzen“, so Hinrich Haake, Geschäftsführer des diakonischen Werkes Osnabrück. „Aber auch wir müssen uns Effizienzdebatten stellen“, betonte Friedemann Pannen. Statt Gewinnorientierung möchten die Diakonie-Vertreter den unabhängigen Dienst, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht. 


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